...meiner ersten Katze.
Ich war 13 und wuchs mit Hunden auf, meine Eltern waren Hundebesitzer. Von Anfang an, haben
mich Katzen interessiert, immer wenn man als Kind auf einem Bauernhof war, oder sonstwo eine Katze angelaufen kam, hab ich immer sie gestreichelt – ich liebte das Fell und den Geruch.
Auch wenn unser Hund sehr lieb und einen tollen Charakter hatte (meine Eltern
züchteten ungarische Hirtenhunde) – war mir der Geruch, der von einem Hund ausging nicht so angenehm, wenn Fee, so hieß sie, naß
war, bin ich immer ganz schnell nach oben gerannt, weil ich den Geruch so penetrant empfand.
Meine Nachbarsfreundin fragte mich ob ich nicht mit ihr zum Bauernhof kommen wolle, sie dürfe sich eine Katze von dort
holen.
Als wir dort ankamen wuselten die Kleinen überall herum und ich weiss bis heute nicht, was mich
geritten hat, aber ich ging voller Überzeugung zur Bäuerin und sagte, ich dürfe mir auch ein Kätzchen aussuchen.
Ich packte das erstbeste, was ich fangen konnte und steckte es in meinem Rucksack – natürlich hab
ich drauf geachtet das noch ein Luftschlitz offen war.
Also fuhren wir wieder zurück.
So, ich besaß einen sehr geräumigen Bettkasten mit Luftschlitzen – ich legte quasi dort Zeitungspapier aus und stand am nächsten Tag sehr früh auf, um von dem Hundefutter was zu stibitzen.
Am Nachmittag fuhr ich mit meiner Mutter zum Zahnarzt und fast beiläufig fragte sie
„
Die Katze bei dir im Bettkasten, ist das deine?“.
Mir wurde heiß und kalt – ich meine mit 13 denkt man so einen Plan nicht zu Ende – ich wollte nur
unbedingt eine Katze haben.
Dann belog ich meine Mutter für das erste und einzige Mal im Leben und sagte ihr, ich wollte das Kätzchen vor dem Tod retten, ich erzählte ihr eine haarsträubende Geschichte – vollkommen ohne Skrupel – das ich gesehen hätte, wie die Bäuerin Kätzchen umbrachte und ich eines schnappte und retten wollte.
Ich glaub ich hätte Haus und Hof
verraten, nur um diese Katze behalten zu dürfen.
Meine Mutter war natürlich von der Geschichte geschockt und beriet sich mit meinem Vater am Nachmittag – das Ergebnis war, das ich die Kleine behalten durfte und ich taufte sie auf den Namen Amigo – was Freund bedeutet.
Die erste Begegnung mit Fee war typisch, Fee ein riesiger Hund kam freudestrahlend, schwanz wedelnd
auf die Kleine zu und diese haute dem großen weißen Monster sofort auf die Nase *lach*
Im laufe der Zeit gabs aber eine friedliche Koexistenz.
Nundenn, ich wurde älter, meine Eltern ließen sich scheiden und ich zog mit meiner Mutter nach Lübeck, das war so als ich so 16 Jahre alt war.
Amigo war ein Freigänger, die hatte viel zuviel Lust auf dem Feld zu toben und sie brachte gerne nette Geschenke mit – eines Tages hatte sie einen Vogel erbeutet, herrjeh da war sie stolz, ich öffnete meine Zimmertür, sie latscht mit dem
Vogel rein und ich ging raus, als ich später wiederkam, saugte ich nur ein paar Federn weg, den Vogel hatte sie wirklich vollkommen
verspeist.
Ich wusste ja, das es eine Art Liebesgeschenk war, deshalb fand ich sowas auch nicht ekelig oder schlimm, so war die Natur.
Wir wohnten am Stadtrand von Lübeck in einem Neubaugebiet. Ich hatte durch die Scheidung der Eltern einige Schulwechsel – durch Umzüge – machen müssen, was schon sehr belastend war, weil oftmals der Schulstoff in einem anderen Bundesland ganz anders sein konnte, als das was man kannte.
In der Zeit hatte ich auch Schnupfen und als ich bei einer Ärztin war und sie hörte, das ich eine Katze hatte, rief sie fast erstaunt „Ja also die Katze müssen sie sofort abschaffen.“
Ich rannte heulend aus der Praxis raus und sagte,
nur über meine Leiche werde ich mich von Amigo trennen!
Wir besuchten diese Ärztin nicht mehr und der Schnupfen ging zurück. Jeglicher Schnupfen war mir lieber als ein Leben ohne diese Katze.
Dann kam eine Zeit wo meine Mutter im Krankenhaus operiert wurde, weil sie einen Hirntumor hatte – die OP war nicht das schlimme, schlimm wurde es, als sie nicht aufwachte, weil sie eine Lungenentzündung bekam und im Koma lag.
Ich mit 16 Jahren, war alleine zu Hause, wir lebten ja nur zu zweit und Amigo und ich schmissen quasi den Haushalt.
Sie war in der Zeit ein fester Ankerpunkt in meinem chaotischen Leben.
Dann wachte meine Mutter glücklicherweise wieder auf und nach langem Kuraufenthalt konnte sie dann auch wieder zu Hause ankommen.
Amigo war eine Wald und Wiesenkatze, sie ging meistens morgens raus und begleitete mich zur Bushaltestelle
– ehrlich die Leute fragten schon
„Ist das deine Katze?“.
Wenn der Bus kam ging sie Mäuschen im Wald fangen oder stellte andere Sachen an, Abends kam sie immer nach Hause.
Bis eines Tages.
Der Abend kam, die Nacht verstrich, der nächste Morgen ich mache mich fertig für die Schule – Amigo war nicht da.
Gut, eine Nacht, das ist nicht so schlimm...die Schule vergeht, man kann sich nicht richtig konzentrieren, denkt immer an die Katze und zu Hause festgestellt, sie ist immer noch nicht wieder da.
Meine Mutter arbeitete wieder bis abends, so das ich die Erste nach der Schule zu Hause war.
Dann vergingen einige Tage, schnell wurden es, 3,4 Tage – und Amigo kam nicht.
Ich stand oft – wir hatten eine Erdgeschosswohnung mit Terrasse – draussen und rief ihren Namen – kein Laut.
Meine Mutter rief am Anfang von der Arbeit Mittags zu Hause an, sie hörte dann irgendwann auf, nach Amigo zu fragen.
Eine Woche war vergangen – die schlimmsten Alpträume plagten mich.
Was mochte ihr wohl zugestoßen sein?
Die Mitschüler konnten einen auch nicht recht trösten, verstanden sie das Band was zwischen mir und
Amigo war, einfach nicht.
Samstags hatten wir Schule – ich kam grad nach Hause und bin dann über den Rasen entlang gegangen zu unserer Terrasse – ich war den Weg noch nie gegangen, das war einfach so drin – und plötzlich sehe ich in einer leerstehenden Wohnung eine Katze hochspringen als sie mich sah.
Das war die Nachbarwohnung und Amigo war durch den Schlitz rein gesprungen, kam aber nicht mehr wieder raus.
Ich rannte wie von Sinnen nach Hause und besorgte Katzenfutter, was ich dann durch den Schlitz nach drinnen stopfte.
Zum Glück kannte ich die Nummer der Hausverwaltung und erreichte den Makler schnell – der wiederum erreichte die Leute, die den Schlüssel zur Wohnung noch hatten und schlossen dann schnell die Tür auf.
Eine recht leichte Amigo (2 Kg) nahm ich in den Arm, ich heulte vor Freude.
Als meine Mutter mich anrief, hab ich ihr freudestrahlend berichtet (fast schreiend vor Glück) das Amigo wieder da wäre.
Die nächsten zwei Tage musste ich mich immer vergewissern, das sie wirklich existierte, mein Verstand konnte das kaum glauben und für die nächsten Tage blieb sie auch drin, bis ihr Freigeist wieder jagen gehen wollte.
Ich wusste, an dem Tag, wo ich sie wiederfand, schenkte Gott mir noch ein wenig Zeit mit ihr.
Wir zogen im Neubaugebiet um und auch ich wurde älter, das Schulende stand an, da ich auf eine Privatschule ging, ging dort der Realschulabschluss bis zur 12. Klasse.
Amigo schlief oft in meinem Bett, aber bei ihr musste man gaaaanz still liegen bleiben und sich am besten gar nicht bewegen, sonst sprang sie wieder raus – ich habs immer genossen, wenn sie kam und anfing zu schnurren.
Sie war mittlerweile 6 Jahre alt und ich 19 Jahre, stand kurz vor den Abschlussprüfungen.
Dann eines Abends kam sie nicht nach Hause, ich ging die Treppe runter und fand sie im Gebüsch versteckt, sie hatte sich ganz klein gemacht.
Die nächsten Tage gings ihr nicht besser, wir gingen zum Tierarzt mit ihr und der verschrieb Tabletten, wir wussten das draußen Rattengift ausgelegt wurde und auch das es nicht nur Tierfreunde in der Siedlung gab.
Ich gab ihr die Tabletten und freute mich, das sie so gut Wasser trank.
Nachts kam sie dann wieder in mein Bettchen und schlief bis zum nächsten Morgen darin.
Es sollte die letzte gemeinsame Nacht sein.
Am nächsten Tag, es war der erste Advent fand ich Amigo im Bad, sie konnte nicht mehr aufstehen und bekam Krämpfe.
Meine Mutter rief einen Tierarzt an und wir fuhren in die Praxis, ich hatte sie in dem selbstgemachten Körbchen drin liegen.
Als sie auf dem Tisch lag, ging alles sehr schnell – als sie die Spritze bekam, wusste ich, das sie – also das ihre Seele nicht mehr da war, ich nahm den Körper deshalb auch nicht mit, für mich war die Seele gegangen.
Die darauffolgende Zeit war fast die schlimmste Zeit im Leben (das Jahr 2010 hats getoppt) – ich hatte
Träume, das der Tierarzt sie wieder lebendig gemacht hätte und manchmal meinte ich einen Schatten als Bewegung zu sehen, so als ob sie auch sich langsam von mir verabschieden würde.
Das Weihnachtsfest haben wir dann mit Lara und Jerry aus dem Tierheim gefeiert, Jerry wurde mittlerweile
überfahren und Lara habe ich an eine Familie als Zweitkatze abgegeben, alleine war sie nicht glücklich.
Jetzt, nach ein paar Jahren Katzenpause, bereichern Fimo und Maggie mein Leben, was nicht immer auf der Sonnenseite war – und vielleicht zieht noch ein Spielkamerad für Fimo hier ein.
Ich wollte euch nur die Geschichte von meiner ersten Katze erzählen, das sie unvergessen einen Platz in meinem Herzen hat und das ich sie noch immer vermisse – ehrlich beim schreiben kommen mir nach 10 Jahren noch immer die Tränen
Also ich
danke dir Amigo, das ich dich kennen lernen durfte, das du mich oft abgeholt hast von der Haltestelle und das du einzigartig warst – ich bin ganz sicher dich wiederzusehen, irgendwann.
Danke meine Süße.