Hallo mein Schatz, mein geliebter Michel, Mietzchen, ich liebe Dich so sehr und konnte es Dir nie genug zeigen.
Ich bereue jeden Tag an dem ich keine Zeit oder Nerven für Dich hatte, an dem ich in Urlaub war oder einfach nur geistlich abwesend.
Meine Gedanken, der Herr möge Dich besser erlösen möchte ich mir aus dem Hirn prügeln, ich habe mich längst selbst bestraft, denn es ist jetzt mehr als klar, dass der Herr Dich zu sich geholt hat.
Ich habe die letzten Tage oft am Balkon gestanden und zum Himmel geschaut und habe den Herrn gebeten er möge mir doch ein Zeichen geben wo Du bist, was mit Dir los ist und dass ich Dich finden muss um Dich zu begraben so wie Du es verdient hast in Würde aber wirklich erfüllt wurden meine Wünsche nicht, vorgestern nacht war es dann so weit, der Herr hat mir einen Traum geschickt, ich träumte Du würdest vor der Balkontür stehen, ich würde öffnen und Du würdest wie üblich dieses Geknattere von Dir geben als Begrüssung, Du ranntest in die Richtung wo immer Deine Futternäpfe gestanden hatten und standest da und schautest auf den leeren Platz, ich hab nämlich schon alles weggeräumt, da ich schon lange weiss, dass Du nicht mehr lebst auch wenn ich Dich nicht mehr gefunden habe, was mich so traurig macht.
Dann bin ich aufgewacht. Die Grübelerei fing an und ich habe geweint um Dich mein Bär, fast den ganzen Tag, ich habe noch einmal alle Stationen unseres gemeinsamen Lebensweges passiert, schlimme und auch gute Zeiten. So um 4 bzw. 5 Uhr schaute ich plötzlich zum Fenster hinaus, Du weisst schon von der Couch. Ich dachte ich seh nicht richtig, dort war ein riesiger Regenbogen, der meine Blicke magisch auf sich zog und da war alles sonnenklar für mich, Du hast verstanden, Du darfst endlich gehen, der Herr hat Dir den Regenbogen geschickt, Du bist jetzt endlich gegangen, denn im Traum bist Du mir begegnet und wolltest an Deinen Fressnapf aber da war nichts mehr, da hast Du begriffen, dass Du nicht mehr bleiben musst um bei mir zu sein, Du darfst gehen und glücklich werden, ohne Alter, ohne Schmerzen leider auch ohne mich aber mein Schatz wir werden uns wieder sehen, irgendwann an einem besseren Ort zu einer besseren Zeit.
So schnell und so prächtig wie der Regenbogen erschien, so schnell war er auch wieder weg und ich konnte nicht mal mehr weinen, noch dazu hatte ich Gesellschaft, der ich nicht schon wieder die Ohren vollheulen wollte. Ich hab unter Tränen noch schnell das Essen gekocht konnte es dann aber nicht mehr aushalten und hab mich einfach ins Bett verkrochen, ich konnte nicht mehr weinen, ich hab noch ein wenig rumgedruckst und bin dann eingeschlafen, denn Du weisst ja, wer schläft sündigt nicht und muss auch nicht weinen.
2 Wochen sind es nun schon wo ich Dich mein Schatz vermisse aber ich werde darüber hinwegkommen, es ist nur total schwer ohne Dich zurecht zu kommen, ein treuer Freund ist unersetzlich.
Weisst Du noch, ich habe Dich bekommen da wollte ich eigentlich keine Katze, warum weisst Du ja auch aber der Herr hat wohl über mich hinwegentschieden, da sitzt man beim Friseur und die Frau hat zufällig junge Katzen daheim und ich krieg irgend eine die übriggeblieben ist, na ok, mir wars recht, hatte sowieso nichts besseres vor.
Du wurdest mir gebracht und wir waren uns so ähnlich, als hätten sich 2 gleiche Seelen wiedergefunden und das war mir auch ganz recht denn ich war herzlos und hart geworden, zu viele Tiere hatte ich zuvor verloren und irgendwann hat man keine Tränen mehr, hält jeden und alles von sich fern um bloss keine Träne mehr vergiessen zu müssen und um bloss nie wieder Leid erfahren zu müssen, schliesslich weiss man sich doch zu schützen. Du warst jung, ungestüm und wolltest nie gestreichelt werden, jedoch warst Du immer in der Nähe, irgendwie, mein Baby war auch gerade auf die Beine gekommen, genau wie Du und zusammen habt ihr quasi laufen gelernt, es war irgendwie Dein Bruder immer warst Du draussen mit ihm, er das Keksverzehrende Krümelmonster und Du der schon grössere Bruder, denn Ihr Katzen seid ja von Natur aus gleich schon reifer als wir Menschen.
Es war zwischen uns eine stille und selbstverständliche Übereinkunft, ich füttere Dich und kümmere mich um Dich und Du bist einfach nur da und schenkst uns Deine Gesellschaft, wir haben Dich nicht belästigt und Du warst immer brav und immer da. Manchmal haben wir uns dann aber doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und haben versucht Dir näher zu kommen, was Du uns mit Deinen Krallen quittiert hast. Ja das war auch der Grund warum Dich keiner haben wollte und wir haben Dich genommen, so wie Du warst, Deine Mama (ich) war auch nicht anders.
So lebten wir im gleichen Haushalt miteinander und doch unabhängig in gewissem Sinne, dann war zuhause Aufbruchstimmung wir mussten umziehen wir haben Dich später nachgeholt nachdem alle Möbel wieder aufgebaut in der Wohnung standen, die Oma aus der Nachbarschaft passte draussen auf Dich auf und hat Dich dort gefüttert.
Wir holten Dich also und hielten Dich ein paar Tage eingesperrt zum eingewöhnen aber Du hast den ersten Tag der Freiheit dazu benutzt abzuhaun und an die alte Wohnung zu latschen, ich hatte furchtbare Angst, das hätte dicke schief gehen können aber Du bist dort wirklich wieder aufgetaucht, hast sicher die Oma dort vermisst, Du bist noch 2 mal abgehaun und immer wieder dorthin gelaufen, Du hast mich meinen letzten Nerv gekostet, ich hätte Dich am liebsten zum Mond geschossen.
Vielleicht war das Überlebenstraining und nötig, denn wir zogen noch etliche Male um und wo wir nach gewisser Zeit gelandet waren war kein Zuckerschlecken für Dich, die Hauptstrasse 2 Häuser vorne dran, die fetten Laster rasten immer durch die Strasse aber wir hatten leider keine andere Wahl. Du hast es überlebt, dann der Schlag, Dein Bruder hat allergisch gegen Deinen Speichel reagiert und so heftig, dass ich Dich nicht mehr in die Wohnung lassen konnte, ich habe Dich draussen auf dem Balkon versorgt und dort auf den Gartentisch hast Du immer friedlich in der Sonne geschlafen, egal was passierte, egal ob Regen, Sonne oder Eiseskälte, Du warst immer da, unverdrossen und standhaft.
Wir haben Dich aber nie vergessen und immer nach Dir geschaut ob es Dir noch gut geht und ob Du noch gesund bist.
Eines Tages hattest Du wohl vergessen, dass auch an Dir die Zeit nicht spurlos vergangen ist, hast Dich übernommen und wohl von zu hoch heruntergesprungen, wir riefen Dich zum essen wie jeden Tag aber Du kamst nicht, wir haben Dich gesucht und dich um die Hausecke zusammengekauert gefunden, ich glaube Du hattest Dich zum sterben dorthin gelegt, denn als wir Dich erblickten hast Du uns nur ganz klein angeschaut, nichtmal miaut hast Du mehr.
Ich hab Dich ohne Rücksicht auf Verluste reingeholt und Dich aufs warme Deckchen gepackt und habe um Dich geweint, habe Dich um Verzeihung gebeten, dass alles so gelaufen ist und wollte Dich in die andere Welt in Frieden entlassen aber Du hast Dich wieder aufgerappelt für mich und fortan musstest Du nie wieder draussen bleiben, Du durftest wieder rein ins Warme, kein frieren mehr und keine Nässe mehr, das war zuviel für Deine arme alte Seele und Deinen alten Körper.
Wir mussten wieder umziehen aber diesmal war es ein Paradies für Dich, mit Garten, rein und raus wann Du wolltest, du warst zwar schon vorher immer wohl genährt aber da hast Du noch etwas zugelegt, Du hast immer gerne und viel gefressen mein Dicker. Seit dem Tag an dem ich dachte ich würde Dich verlieren hat sich alles verändert, Deine Einstellung zu mir und auch meine zu Dir, wir fanden uns, ich wollte es nie und es ist doch passiert, Du hast immer mehr geschmust und ich konnte mich nicht wirklich erwehren. Fortan habe ich mindestens 1 x die Woche quasi Abschied von Dir genommen, denn ich wusste, der Herr hat mir nochmal eine Galgenfrist gegegen aber ewig würde das nicht währen.
Vor ein paar Monaten haben wir Dein Blut untersuchen lassen und da stellte sich heraus, dass Deine Nieren zu über 80% kaputt sind, ich hab Spezialfutter gekauft und Du hast es auch gefressen. Ich bin fast umgekippt als ich das gehört habe aber ich hab mich gefügt, ich konnte es ja nicht ändern und hab mich weiterhin immer wieder von Dir verabschiedet, dass wenn es soweit ist ich nicht mehr so viel leiden muss, dachte ich, vor 4 Wochen dann hab ich gemerkt, dass Du immer weniger frisst und immer mehr und mehr getrunken hast, der Arzt hatte mich vorgewarnt, er meinte irgendwann würdest Du in ein Koma fallen und auch sehr schnell sterben, wegen diesen blöden Nieren aber alles kam ganz anders.
Dein Hinterbauch ist sichtbar eingefallen, Du hast Dich nicht mehr richtig geleckt, man hatte fast das Gefühl, dass Du Dich vor Dir selber ekelst, wenn Du Dich hingelegt hast hatte man den Eindruck, dass Dir deine Gelenke weh tun, so vorsichtig wie Du Deine Pfoten weggepackt hast, Du hast Dich immer seltener unbekümmert auf die Seite vor die Heizung gelegt, jetzt weiss ich auch warum, Du wolltest nicht sterben und nichts davon merken, so scheint es mir.
Du warst ein Kind der Natur, der Freiheit und dieses Kind wollte nicht im warmen friedlich sterben, sondern wie gewohnt die Winde um die Ohren wehen haben, die Vögel zwitschern hören, ein leztes Mal bevor Du den letzten Atemzug tatest. Vor zwei Wochen hast Du uns nachts verlassen und kamst nicht mehr wieder, ich habe Dich gesucht doch ich werde Dich nie mehr finden und ich weiss doch so genau, dass der Herr es gut mit uns gemeint hat, ein klein wenig Zeit um uns zu sammeln bevor wir uns für immer trennen mussten, danken wir dem Herrn für seine unendliche Güte, ich werde Dich nie vergessen, ich weiss Du hast mich gern gehabt aber ich liebte Dich und konnte es Dir nie wirklich zeigen, entschuldige bitte vielmals, ich weiss nicht wie es ohne Dich leben soll, es tut so weh und ich werde zu Dir kommen, wenn meine Zeit gekommen ist, verzeih mir meine Art, ich liebe Dich für immer.... Deine Mama.