Schwarzer Kater

      Schwarzer Kater

      Schwarzer Kater

      Es soll ja Zufälle geben, die so irre sind, daß man sich nur fragen kann,
      wo denn die versteckte Kamera aufgebaut ist.
      Wie auch immer, so richtig skurril wird’s erst,
      wenn unsere fellbesetzen Mitbewohner dabei in’s Spiel kommen.
      Was mich betriff, so weiß ich von nichts und wasche meine Hände definitiv in Unschuld!

      *
      Irgendwie scheint es mir, daß die Leute zuviel Geld haben.
      Wie anders ist es sonst zu erklären, daß die ganze Stadt voll mit Baustellen ist.
      Jeden Tag laufe ich an mehreren vorbei. Nun ja, solange es nur baustellenbedingte Wegeumleitungen sind,
      betrifft mich das Ganze eigentlich nicht.
      Bis zu jenem Tag Anfang April. Ich hatte einige Besorgungen in der Innenstadt zu erledigen und musste
      zu diesem Behufe ein Stück weit an der Universität vorbeilaufen.
      Daneben gibt es eine Kneipe die ich schon lange mal besuchen wollte, aber nie bin ich dazu gekommen.
      Und... oh, oh, schon wieder eine Baustelle! Eben jene besagte Kneipe hat dichtgemacht,
      obwohl sie scheinbar ziemlich gut gelaufen ist.
      Aber was soll’s, das ist nicht mein Problem.
      Jedenfalls sind neben dem Eingang eine Menge Trümmer der Einrichtung gestapelt
      und ein paar Fahrzeuge diverser Handwerksfirmen stehen davor.
      Das Ganze wird wohl umgebaut, mal sehen, was daraus wird.
      In den folgenden Wochen laufe ich oft an der Baustelle vorbei,
      doch sooo groß interessiert bin ich nicht, solange der Umbau andauert.
      Soweit so gut.
      Anfang Juni mache ich wieder mal meine samstäglichen Einkäufe. Edward ist dran mit Mitkommen.
      Auf dem Wochenmarkt und in verschiedenen Geschäften spielt sich das übliche Prozedere ab.
      Der Schwarze bekommt die volle Aufmerksamkeit und ich bin der Unterste bei den Bremer Stadtmusikanten.
      Aber was soll’s, zum einen bin ich daran gewöhnt und zum anderen scheine ich ja ein Schild um den Hals zu hängen haben
      mit der Aufschrift: „Taxi only for Felidae“.
      Jedenfalls will ich, wie eigentlich an jedem Samstag mir am Bahnhof einen Espresso zu Gemüte führen.
      Dabei muß ich auch an der bewussten Baustelle vorbei.
      Und, oha, das ist keine Baustelle mehr. Anscheinend haben sie schon seit einigen Tagen wieder geöffnet.
      An der Seite ist noch kein Wirtshausschild zu sehen, das kommt wohl noch.
      Es gibt auch eine Außenbestuhlung. Mal sehen, ich wollte ja schon immer mal hier vorbeischauen
      und im Außenbereich dürfte niemand etwas dagegen haben, wenn Edward dabei ist.
      Da ist auch eine Markise, die den Schwarzbepelzten vor der direkten Sonneneinstrahlung schützt.
      Eine Speise- oder Getränkekarte brauche ich nicht, einen Kaffee werden sie wohl haben.
      Mit Edward auf der Schulter lasse ich mich dann auch im Außenbereich nieder.
      Natürlich gaffen da schon einige andere Gäste, denn ein schwarzer Kater im Restaurant...
      Nach kurzer Zeit kommt auch die Bedienung und ich bestelle einen Kaffe.
      Nein bitte, keinen besonderen, einen ganz normalen Kaffee mit Milch und Zucker, wenn’s recht ist, bitteschön.
      Die Bedienung hat auch ein fettes Grinsen im Gesicht, als sie Edward sieht, sagt aber nichts dazu.
      Und schon nach kurzer Zeit bringt sie meinen Kaffee.
      Ein Herr mittleren Alters am Nebentisch dreht sich immer wieder zu mir um.
      Nun ja, ich bin mir schon bewusst, daß ich keinen alltäglichen Anblick biete.
      Dann spricht er mich an: „Das passt ja. Sind sie der neue Besitzer hier?“
      Die Frage verneine ich und ich habe auch keine Ahnung, wie er darauf kommt, daß ich hier der neue Besitzer wäre.
      Na ja, manche Leute haben eben einen seltsamen Sinn für Humor.
      Da wird er deutlicher: „Na, wegen dem Wirtshausnamen, das passt doch zusammen.“
      Ich bin jetzt echt irritiert. Die Bedienung bringt den Kaffe und ich beginne vorsichtig an dem heißen Getränk zu nippen.
      Der schwarze Edward liegt derweil total gechillt auf meiner Schulter.
      Nach einiger Zeit, die das Katertier sowie sein Transportmedium damit zubringen, die vorbeiflanierenden Leute zu beobachten,
      verändert sich die metereologische Situation ein wenig.
      Will heißen, es ziehen einige Wolken auf. Als Folge dieses überirdischen Ereignisses wird die Markise wieder zurückgefahren.
      Was dabei zum Vorschein kommt, lässt meiner Kinnlade nach unten fallen.
      Denn am Gebäude ist, bisher durch die Markise verborgen, ein Transparent angebracht.
      Ganz offensichtlich in Ermangelung eines Wirtshausschildes.
      Da steht groß und deutlich: Neueröffnung „Schwarzer Kater“
      Das fass ich jetzt nicht, ich sitze mit einem schwarzen Kater auf der Schulter in einer Kneipe, die auch noch „Schwarzer Kater“ heißt.
      Jetzt wird auch das Grinsen der Bedienung und die Bemerkungen des anderen Gastes erklärbar.
      Was mich betrifft, so habe ich mit meinen Fellnasen, schon soviel irre Situationen erlebt, daß mich nichts mehr verwundern kann.
      In der nächsten Zeit bin ich immer wieder mal im Schwarzen Kater anzutreffen, sehr oft zusammen mit Edward,
      der das alles zwar neugierig, aber gelassen hinnimmt.
      Doch dann kommt jener denkwürdige Tag, an dem ich wieder mal mit eben dem schwarzbepelzten Edward
      in der Außenbewirtschaftung des Schwarzen Katers niedergelassen habe.
      Wie ich es mittlerweile gewohnt bin, bekommt mein felider Begleiter die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger Gäste.
      Und da mittlerweile fast jedes Handy eine Kamerafunktion hat, werden auch immer wieder Bilder geschossen.
      In der Regel wird vorher gefragt, ob man das dürfe. Nun, dagegen habe ich nichts.
      So werde ich an diesem Tag auch von einem Mann angesprochen, ob er Edward fotografieren dürfe. Na klar dürfe er.
      Im Gespräch erzählt er, daß er dabei sei, eine Webseite für dieses Restaurant zu erstellen und fragt,
      ob er die Bilder von Edward da einbauen dürfte.
      Klar, könnte er, sofern mein felliger Besitzer nicht dagegen hat.
      Und dann schießt er einige Fotos mit Edward und dem erwähnten Transparent im Hintergrund.
      Und natürlich bitte ich ihn, mir diese auch per Email zukommen zu lassen, was er mir verspricht.
      Kommt es mir nur so vor, oder blickt Edward tatsächlich etwas stolzer um sich?
      Das kann ja noch was geben!
      Tatsächlich ist einige Tage später eine Mail da mit den Bildern im Anhang.
      Einige Tage später, beim nächsten Besuch im Schwarzen Kater frage ich die Besitzer,
      ob ich die Bilder verwenden darf, da sie ja nicht nur Edward zeigen sondern auch das Transparent mit dem Wirtshauslogo.
      Tatsächlich haben sie nichts dagegen und bieten sogar an, zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Fotosession zu veranstalten.
      Denn das Transparent wäre ja nur ein Provisorium, bis dann das richtige Schild geliefert und montiert wäre.
      Na, das ist doch ein Angebot!
      Der Schwarze Kater Edward macht Karriere im Restaurant Schwarzer Kater.
      Also da bleibt wirklich nur noch zu sagen, schwarz und schwarz gesellt sich gern.





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