Das "Verwilderte Katzen Tagebuch"

      Nach langer Zeit schreibe ich mal weiter wie es mit meinen verwilderten Katzen weiterging.

      Sienna, die Mutter meiner anderen 3 Lieblingen, ist ja vermutlich ganz wild aufgewachsen. Entsprechend stark ist ihre Angst gegenüber Menschen.
      Jetzt, nach über 3 Jahren kann ich sie endlich richtig streicheln! :love:
      Jeden, der sich um schüchterne, ängstliche, wilde Katzen kümmert kann ich nur ermutigen: Niemals aufgeben!
      Mit Zeit und Geduld kann aus einer wilden Katze, die bei einer unbedachten Bewegung sofort beißt und kratzt, die liebste Schmusekatze werden!

      Ich fasse zur Übersicht nochmal zusammen, was ich früher schon geschrieben hatte:
      Nachdem im ersten Jahr die Phase vorüber war, in der sie nur weggerannt ist, kam die lange Zeit, in der sie alle verdächtigen Bewegungen, die schneller als Zeitlupe waren, mit Beißen und Kratzen quittiert hat. Ein Lob auf Jeans! Sie haben mich oft vor Schlimmerem bewahrt! Meine Hände bekam ich zum Glück schnell unter Kontrolle. Ein ernsthafter Katzenangriff hat aus eigener Erfahrung ganz schön verheerende Folgen! Die spitzen Eckzähne beißen gefühlt bis auf die Knochen und die tiefen Krallen-Attacken können sich böse entzünden!

      Sobald ich es geschafft hatte, ihr keinen Grund mehr zur Sorge zu geben, wurde Sienna sichtlich entspannter. Mit der Zeit merkte man, dass sie sich gerne an meinem Bein gerieben hätte, weil sie rieb sich wie wild an Blumentöpfen, Pfählen und Hausecken und schaute dabei meine Beine an.
      In dieser Zeit konnte ich ihr leider nicht helfen, ausser besonders langsam und vorsichtig zu laufen, damit meine Beine nicht bedrohlich wirkten und freundlich mit ihr zu sprechen. Sehr geholfen hat, dass ihre 3 Kinder schon lange Vertrauen gefasst haben und sich enthusiastisch an mir rieben. Sienna schaute nur sehnsüchtig, aber hat sich nicht getraut.
      Aber auch da kam der Tag, an dem aus ihren ersten zaghaften Versuche, vor denen sie anfangs selber erschrack, eine genüßliche Begrüßung wurde.
      Nur meine Hände, die fand sie furchtbar ekelig, verzog das Gesicht, wenn sie dran gerochen hat und rannte weg.
      Hm, falsche Handcreme?
      Ich hab einiges ausprobiert, verschiedene Seifen etc, aber meine Hände rochen anscheinend immer ekelig.
      Da hab ich sie einfach ausgetrickst und meine Hand heimlich dort hingeschoben wo sie sich gleich reiben wird. Ohje, die Abscheu im Gesicht hättet ihr sehen sollen! Igitt, versehentlich die Hand berührt, bäh!
      Ich hab diesen "Trick" nur ab und zu benutzt, damit sie nicht verprellt wird. Aber mit der Zeit wurde so mein "typischer Handgeruch" in den Familienduft integriert, der beim Reiben und Putzen kreiert wird.

      Das nächste Problem war, dass sie Angst bekam, wenn sich meine Hand in ihre Richtung bewegt hat. Also wieder geduldig abwarten und die Hand passiv anbieten. Ausserdem hab ich vorsichtig meinem Bein eine neue Fähigkeit gegeben!
      Wie zuvor heimlich die Hand am Bein versteckt und dann vorsichtig mit einem Finger ein kleines bisschen gekrault. Das kam phantastisch an! Bein mit Kraul-Funktion!
      Nach dieser Entdeckung hat sich alles wunderbar entwickelt. Natürlich bin ich kein Risiko eingegangen, um ja keinen Rückschlag zu erleiden. Und langsam, langsam fand sie meine Hand immer angenehmer bis sie sich direkt an die Hand gedrückt hat und ich sie kraulen konnte.
      Inzwischen ist es sogar so weit, dass sie neben mir aufs Sofa springt und sich von mir streicheln läßt!
      Und wie genüßlich sie ihre Streicheleinheiten einfordert!

      Nach über 3 Jahren zur Schmusekatze geworden!
      Ganz erstaunlich, nachdem sie (vermutlich) keine oder nur schlechte Erfahrung mit Menschen gemacht hatte!
      Irgendwie scheint das Schmusen-wollen tatsächlich Teil ihres Charakters zu sein, unabhängig von der Vorgeschichte!

      Liebe Wild-, Angst- und Schüchtern-Katzen-Betreuer, es kann ich ändern! Bleibt dran, es lohnt sich! :love: