Das "Verwilderte Katzen Tagebuch"

      Jetzt gehts weiter...

      Ich kann gut verstehen, dass sie abgehauen sind... das ist wirklich sch... gelaufen...

      Ich stelle trotzdem Futter raus. Der Napf wird leer, aber das können auch die Igel oder andere Katzen sein. Von "meinen" Katzen keine Spur.

      2 Tage später kommen meine nette Nachbarn an den Zaun. Die Katzen sind zu ihnen gezogen unter ihr Holzlager. Eifrig treffen sie Vorkehrungen, sie mit einer selbstgebauten, erprobten Holskisten-Falle zu fangen.
      Ich mische mich nicht ein, weil die Katzen ja wild sind und eigentlich niemandem gehören. Und die Katzen wollten ja offensichtlich nichts mehr mit mir zu tun haben.
      Die Unruhe um das neue Katzenlager ist aber anscheinend doch zu störend, denn nochmal 2 Tage später sind alle wieder zu mir gezogen :-)

      Und ich setze alles daran, das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen. Verbringe stundenlang auf dem Boden sitzend neben den Katzen und bin einfach glücklich, dass sie wieder bei mir sind.

      Nach jeder Menge Katzenbüchern und Recherche im Internet bekomme ich den Geistesblitz, wie ich es schaffe, zu ihrer Familie zu gehören!

      Katzen reiben ihren Kopf an vertrauten Katzen und Menschen, um die Gerüche auszutauschen. Danach putzen sie sich, um so den "Familienduft" aufzunehmen. Aber den Katzen kommt es nicht in den Sinn, sich an mir zu reiben und von mir anfassen lassen sie sich auch nicht. Ich kann ja froh sein, dass ich neben ihnen sitzen darf!
      Doch jetzt die Idee! Eine Stunde anstrengende Gartenarbeit erzeugt ein T-Shirt, das intensiv meinen Geruch angenommen hat. Das T-Shirt lege ich auf den bevorzugten Schlafplatz!
      Tadaa! Es klappt! Schon am nächsten Tag sind alle Katzen wesentlich entspannter in meiner Nähe!

      Aber ich hab ja noch mehr Ideen!
      Das Dosenfutter steche ich mit dem Löffel in grossen Brocken ab und füttere es aus der Hand. Das klappt recht schnell recht gut und meine Hand wird wesentlich besser akzeptiert.
      Nur einmal bewege ich meine Hand mit dem Brocken auf die grosse Katze zu, als diese abgelenkt ist und zur Seite schaut. Sie sieht nur aus den Augenwinkeln, dass meine Hand langsam auf sie zu kommt und schlägt erschrocken mit der Pfote zu. Bloss ein paar Kratzer...

      Noch mehr Fortschritt! Wenn ich nach Hause komme, holt mich die grosse Katze vorne am Briefkasten ab und läuft neben mir her zum Haus. Zum Glück trage ich immer Jeans, denn immer wieder kommt es vor, dass sie unterwegs plötzlich nach meinem Bein schlägt. Ich laufe zwar schön langsam und wahre den Abstand, aber manchmal ist sie plötzlich verunsichert. Ich habe den Eindruck, es ist das sich bewegende Bein. Vielleicht ist sie mal getreten worden.

      Nächste Idee:
      Ich sitze am Boden und stelle mir den Futternapf auf den Schoss. Wer etwas haben will, muss die Pfote auf mein Bein setzen, um dran zu kommen. Auf diese Art berühren mich die Katzen von selbst. Erst finden sie es unangenehm, aber schliesslich bleiben sie mit den Pfoten auf meinem Bein, um zu fressen.
      Mittlerweile gehe ich zum Füttern nur noch mit einer "Katzenhose", weil die bekommt reichlich Flecken bei der Raubtierfütterung.

      Jetzt der Joker: Rohes Fleisch!
      Für ein Stückchen rohes Fleisch klettern die Kleinen buchstäblich überall hin!

      Ich meinerseits darf die Babies während dem Füttern ein wenig vorsichtig am Rücken streicheln. Am leichtesten wird es kurz vor dem Schwanz geduldet. Aber mögen tut es keine.
      Die Grosse anzufassen traue ich mich nicht, sie bekommt unheimlich schnell Angst. Vermutlich würde sie mir die Hand zerfleischen.
      Ansonsten geniesse ich es einfach, beim Spielen und Putzen dabei zu sein.
      Puh, die Spannung steigt, nun lass uns aber mal nicht mehr so lange warten oder verrate das Ende schon vorneweg :haha
      Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt:
      Durchs Leben zu gehen ohne Lärm zu machen

      Viele Grüße von Tapsy cat_scratch, Pauli cat_wag und Sir Winston :littlecat:
      Phase 1: Die Grosse wird kastriert!

      Gleich nach der missglückten Fangaktion habe ich mir eine richtig gute, stabile Falle von Drahtexpress gekauft. Ich habe mich für die Ausführung mit Verschiebeeinheit entschieden, mit der man ein Tier mit einer verschiebbaren Wand ans Gitter drücken kann, da ich für einen medizinischen Notfall etwas haben wollte, mit dem man ein Tier sicher "festhalten" kann, ohne dass man dabei zerfleischt wird.
      Bestimmt kann jetzt jemand aufgeregt protestieren, dass das tierquälerisch sein könnte, aber es gibt Situationen, in denen man schnell und effektiv behandeln können muss, um grösseren Schaden abzuwenden.

      Da ich wusste, dass der Tierarzt die Katze zur Narkose in ihren speziellen Impfkäfig rüber komplimentiert, und nach dem Erlebnis mit der tobenden Katze, habe ich die Verschiebe-Einheit vor dem Fangen ausgebaut, weil ich Sorge hatte, dass sich die Katze in ihrer Panik irgendwie eine Pfote hinter der Verschiebe-Wand einklemmen könnte. Ich würde auch empfehlen, die Verschiebe-Einheit nur drin zu lassen, wenn die Katze relativ ruhig ist und nur kurze Zeit unter Aufsicht drin bleiben muss. Aber bei einem lieben Kätzchen nimmt man vermutlich lieber einen leichten Katzen-Transportkorb und nicht eine 10 kg schwere, 1,20 m lange Falle.
      Aber zum Fangen und Transportieren von wilden Katzen kann ich diese Fallen nur empfehlen! Alles ist mit solider Handwerkskunst so befestigt, dass man es leicht auseinander bauen kann. Nur der Käfig selbst ist am Stück und super stabil.

      Hinten in der Falle ist eine grosse Trittplatte (wie eine Wippe), die über ein Gestänge mit dem Auslöse-Mechanismus der Falltür verbunden ist.
      Es ist nur eine ganz simple Mechanik, aber hält verblüffend gut oben und löst erstaunlich leicht aus. Es ist nur eine Metalltür, die durch das Eigengewicht sehr schnell nach unten saust.
      In den Rezensionen standen Horror-Stories, dass die Falltür Schwänze brechen könnte etc. Aber erstens ist die Falle so lang, dass die Katze beim Auslösen den Schwanz nichtmehr unter der Falltür haben kann, und zweitens ist die Wucht lange nicht so heftig wie behauptet! Habe ich vorher durch Selbsttest ausprobiert (Stöckchen zum Wippe auslösen). Trotzdem habe ich ein dickes Stück Fleece-Stoff in die Falle bis unter die Falltür gelegt, um den Aufprall und vor allem das Geschepper beim Fallen zu dämpfen. Wer ängstlich ist, kann seitlich ein 2 cm dickes Holz-Stück (vielleicht 20 cm lang) rein legen, damit die Klappe 2 cm über dem Boden blockiert.

      Sobald ich die Falle hatte, habe ich sie mit festgebundener Falltür raus gestellt und Futter rein gestellt, um die Katzen daran zu gewöhnen.
      Ich hätte zwar einfach die Falltür weg lassen können, aber das hätte die Katze vielleicht misstrauisch gemacht, wenn am Tag X plötzlich etwas an der Falle anders gewesen wäre. Ausserdem stand die Falle genau an der Stelle, wo ich sie später auslösen wollte. Für die Gewöhnung hat auch geholfen, dass die Babies drauf rum geklettert sind und mit der Falle gescheppert haben.
      Schon nach ein paar Tagen liefen alle ganz entspannt rein und raus, wenn ich von oben Futter rein gekleckst hab. Dazu musste die Grosse tolerieren, dass ich meinen Arm mit dem Futter über ihr bewege. Das hat kurz ein paar Tage gedauert.
      Der Gedanke dahinter war, dass ich beim Auslösen neben der Falle bin, weil ich ja nur die Grosse drin haben wollte, und gleichzeitig durfte nicht grade beim Auslösen ein Baby unter der Falltür sein, weil dem hätte das bestimmt weh getan!

      Wichtig war mir auch, dass die Katze die Falle selber auslöst, damit sie nicht mich als Schuldige ansieht. Schliesslich hatte ich schon genug angerichtet...

      Also: Am Tag X war alles vorbereitet:
      Die Inbetriebnahme und Funktion der Falle im Haus (ohne dass die Katzen es mitbekommen konnten) nochmal geübt und getestet, damit keine Patzer passieren. Alle Handgriffe geprobt, um Schwachstellen zu finden.
      Decke zum Drüberwerfen, Lederhandschuhe, Fleecedecke in der Falle bis unter die Falltür, Holzstück um die zugefallene Falltür zusätzlich gegen Aufschieben zu sichern, Futter in kleinen Stückchen, das man leicht durch Gitter klecksen kann (ich nehme Bozita in Sosse). In der Falle selbst in kein Napf, der würde beim Toben übel durch die Gegend fliegen.
      Den Weg von unten zum Katzenzimmer (wo die Katze bis zum nächsten Morgen in der Falle stehen sollte), kontrolliert, damit die richtigen Türen auf bzw zu waren.
      Du gehst richtig professionell vor, das MUSS ja ein gutes Ende nehmen :yes
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      Ok, ich musste also neben der Falle sein, damit nur die Katzenmama und nicht ein Katzenbaby mit drin war, oder womöglich beim Auslösen der Falltür verletzt würde.
      Die Falle steht so, dass ihre Rückwand, also die kurze Seite hinter der Auslöse-Wippe gegen die Wand steht, weil beim Training hab ich festgestellt, dass sonst die Katzen versuchen, das Futter von aussen mit den Pfoten zu angeln.
      Alles war vorbereitet und ich hab vorsichtig von oben durchs Gitter Futter rein gekleckst. Oh je, ich war super aufgeregt nach der Katastrophe letztes Mal! Aber ich hab versucht, mir möglichst nichts anmerken zu lassen.
      Es hat auch ganz gut geklappt, die Babies fern zu halten. Anfassen liessen sie sich ja nicht, also hat es gereicht meine Hand in den Weg zu halten, damit sie nicht weiter Richtung Falle gehen.
      Super! Die Grosse läuft in die Falle und frisst! Na los, tret schon auf den Auslöser! Aber sie frisst es ganz vorsichtig ohne die Wippe zu bewegen. Ich kleckse noch mehr Futter rein, diesmal ganz nah an der Rückwand, aber sie frisst nur das, an was sie dran kommt, ohne den Auslöser zu betätigen. Ob sie wohl schonmal in einer Falle war?
      Ist jetzt nicht wahr, oder!!! Alles so schön durchdacht und jetzt tritt die Katze nicht auf den Auslöser! Dabei ist der wirklich riesig! Ich löse sie von aussen mit einem Stöckchen aus und halte dabei die Falltür mit der Hand fest, damit sie nicht runter scheppert. Es löst schon mit der geringsten Bewegung aus! Also an der Falle lag es nicht!
      Seuftz... ich brauche einen neuen Plan...
      Den Kastra-Termin sage ich erstmal ab. Die Tierarzt-Assistentin hat Verständnis!

      Wie ich schon erwähnt habe, ist die Falle mit bester Handwerkskunst hergestellt, also schaue ich mir den Mechanismus an und baue die Wippe aus. Dafür fädle ich ich eine Schnur vom Auslöse-Hebel durch das Gitter, so dass ich den Hebel durch das Loslassen der Schnur betätigen kann.
      Als die Katzen grade nicht da sind, teste ich das System.
      Ich stelle eine kleine halb gefüllte Giesskanne auf die Schnur, dadurch muss ich nicht die ganze Zeit krampfhaft festhalten oder wackle womöglich und erschrecke die Katze, wenn es sich unabsichtlich ein wenig bewegt. Mit der Giesskanne habe ich den perfekten auslöser. Sobald ich sie anhebe, saust die Falltür nach unten.
      Mit neuem Tierarzttermin in der Tasche mache ich den nächsten Versuch.
      Alles vorbereitet, Futter rein... warten... Die Katze ist drin, die Babies draussen... ich hebe ich Giesskanne, die Klappe saust runter, die Katze ist drin!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
      Ich renne hin, Decke drüber, zusätzliches Brettchen zur Arrettierung der Klappe rein, Lederhandschuhe an, Falle ins Katzenzimmer tragen ohne ans Gitter zu kommen.... puh, ist die schwer!
      Rein ins Katzenzimmer, Tür zu!
      Uffffffff!!!!!!!!!!!

      Erstaunlich fand ich, dass sie kaum getobt hat und nur wenig geschrien. Ich hätte gedacht, dass sie der gelungene Ausbruch ermutigt, ihre Bemühungen zu verstärken, wenn sie sich nicht gleich befreien kann.
      Ich lege Fleece-Stoff unter die Falle, damit die harten Gitterstäbe etwas gemildert werde. Oh, sie tobt doch noch ab und zu! Ich keile die Falle ein, damit sie nicht umfallen kann.
      Ich kleckse noch eine Ladung Futter rein, weil dann darf sie ja nichts mehr bis zur OP fressen. Sie frisst auch alles auf, bis ich nach einer Weile nochmal nachsehe.
      Ich gehe tausend Mal immer wieder hin, um nachzusehen, dass alles ok ist. Ich bin froh, dass die Verschiebeeinheit und die Wippe raus ist, sonst hätte ich wirklich Sorge, dass sie sich dran verletzt, wenn sie einen tobt. Mit viel Herzklopfen hebe ich die Falltür ein ganz kleines bisschen an, um einen kleinen, ganz flachen Wassernapf rein zu schieben. Es geht alles gut, aber als ich das nächste Mal nachsehe, ist der Napf durch die Gegend geflogen. Zum Glück komme ich mit einem gebogenen Draht dran und kann ihn wieder raus ziehen.
      Ich hatte Sorge, ob sie wohl versucht, auf den Spalt zu zu stürzen, aber sie tut es nicht. Ich bin trotzdem drauf gefasst.
      Oh wie praktisch, ihre Köttel fallen durchs Gitter, wenn ich die Falle anhebe!
      Die drüber gelegten Decke zieht sie an mehreren Stellen rein und zerreisst sie, aber nur wenn ich nicht dabei bin.
      Oh, das ist gut, dass du die Kleine endlich fangen konntest. Wie lange musste sie denn in der Falle sitzen? Ich bin sicher, sie hat dir das schon längst verziehen und du wirst bestimmt bald erzählen, wie es mit ihr und den Kleinen weiterging ;) .
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      Sie musste ja 12 Stunden vor der OP fasten, also hab ich sie abends gefangen und am nächsten Morgen zum Tierarzt gebracht.
      Ich hatte sehr unruhig geschlafen, aber die Katze machte am nächsten Morgen einen einigermassen gefassten Eindruck. Klar, sie war gestresst und hatte Angst und die Unterlage und die Decke war an mehreren Stellen reingezogen und zerfetzt. Aber sie sah eigentlich nicht panisch aus.
      Auf dem Weg zum Tierarzt war sie relativ ruhig. Die Tierarzt-Assistentin hat sie nett angesprochen, und gemeint, dass sie doch ganz entspannt aussieht.
      Ich hab nochmal gesagt, dass sie wild ist und ich nicht weiss, wie sie reagieren wird, wenn man auf macht. Nur um sicher zu gehen, dass sie die Katze nicht unterschätzen.
      Ein Formular musste ich ausfüllen. Name der Katze? Ähem... ich wusste ja nicht, ob sie in meiner Nähe bleiben würde, deswegen hat sie nie einen Namen bekommen, also schrieb ich: Katze 1

      Tagsüber wurde sie operiert und ich ging abend hin, um sie abzuholen.
      Alles ist gut gegangen, nur die Eierstöcke waren so verwachsen, dass sie lange rumschneiden mussten und nochmal mit der Narkose nachdosieren mussten, weil es so lang ging.
      Ich sollte sie eine Woche lang nicht raus lassen.
      Hm! Wie gut, dass ich schon das Katzenzimmer eingerichtet hab! :-)
      Ich wusste ja schon vorher, was es kostet, aber als ich dann das Geld, bzw die Kreditkarte über den Tisch geschoben hab, musste ich schon schlucken. 180 Euro
      Auf dem Heimweg habe ich mir dann überlegt, dass ich durch den Preis die Namenrechte erworben hab!
      Jetzt hatte "Katze 1" einen Namen: Sienna! :-)

      16Paws schrieb:

      Auf dem Heimweg habe ich mir dann überlegt, dass ich durch den Preis die Namenrechte erworben hab!

      :haha Genau, das solle bei der Summe drin sein, und Sienna ist ein sehr schöner Name :yes .
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      Als ich mit der Katze in der Falle zu Hause war, ist sie noch ziemlich benebelt und hat immer wieder kurze Momenten, in denen sie sich aufrafft, sich kurz bewegt und wieder fest einschläft. Dabei rutscht ihr einmal eine Pfote weit durch das enge Gitter und ihr Kopf sinkt dagegen. Ich knie mich neben die Falle und berühre sie vorsichtig... sie scheint es nicht zu spüren, sonst wäre sie sicher hoch geschreckt und hätte sich gewehrt. Ich geniesse diesen Moment unsäglich und streichle sie überall wo ich kann... vielleicht ist das die einzige Gelegenheit sie anzufassen, die ich je haben werde? Ich bitte sie dabei ausführlich um Verzeihung und erkläre ihr, warum ich ihr das alles zugemutet habe...

      Ok, ein weiterer guter Plan muss gefasst werden! Sie soll die Woche im Katzenzimmer verbringen. Ich checke nochmal den Raum durch. Es ist nichts drin, was Scherben oder sonstwie Verletzungen verursachen kann, wenn eine wütende Katze drauf los geht. Alle Löcher, in die sie sich verkriechen könnte, sind sicher blockiert. Dafür hab ich Kartons, Handtücher, Liegekissen verteilt, damit sie Auswahl hat, wo sie sich aufhalten oder verstecken möchte. Es ist ziemlich warm draussen, aber die Fenster sind nur auf Sparlüftung, also nur ein fingerbreit gekippt und arretiert, damit sie nicht versuchen kann, sich dort raus zu zwängen. 2 Katzenklos.
      Wasser und Futter stelle ich so, dass ich die Näpfe durch den Türspalt erreichen kann und den Raum nicht betreten muss.
      Die Horrorstories von eingesperrten Katzen, die einem ins Gesicht springen, machen mich vorsichtig.

      Ich lasse Sienna noch in der Falle, bis sie einigermassen wach ist, damit sie sich möglichst wenig bewegt, solange sie noch so unkoordiniert ist.
      Als sie durchgehend wach bleibt und mich auch wieder fleissig anfaucht, werfe ich einen letzten prüfenden Blick durch das Zimmer, stelle die Falle so, dass die Öffnung von der Tür weg zeigt, hebe ich die Falltür vorsichtig und leise heraus und ziehe mich sofort nach draussen zurück. Durch einen schmalen Spalt beobachte ich was passiert.
      Sienna kommt etwas verunsichert aus der Falle heraus und legt sich auf das nächste Kissen. Ok, schonmal gut.

      Da ich keine Ahnung habe, was eine wütende Katze alles zu tun imstande ist, verkeile ich die Türklinke von aussen mit einem Stock, damit sie sich nicht öffnen kann, falls die Katze auf die Klinke springt.
      Zwischen der Tür vom Katzenzimmer und dem Treppenhaus ist ein kleiner Flur mit Tür zum Treppenhaus, das benutze ich als Schleuse, falls die Katze versuchen sollte, an mir vorbei nach draussen zu hechten.
      Aber nichts dergleichen passiert in den folgenden Tagen. Der Tierarzt sagte, dass sie keine weiteren Medikamente bräuchte, aber ich habe den Eindruck, dass sie Schmerzen hat. Sie liegt die ganze Zeit auf ihrem bevorzugten, erhöhten Platz und bewegt sich nicht, wenn ich die Näpfe austausche. Aber ihr ganzer Körper ist angespannt und die Augen weit aufgerissen. Ich habe das Gefühl, dass nicht viel fehlt, und sie springt mir entweder ins Gesicht oder die glatten Wände hoch...
      Sie frisst zum Glück einigermassen und im Laufe der Tage immer besser. Ich gebe ihr ein paar Globuli Arnika aufs Futter, in der Hoffnung, dass es ihr etwas hilft.
      Anfangs liegt sie irgendwie verdreht da, aber nach ein paar Tagen liegt sie immer normaler, es scheint ihr also langsam besser zu gehen.
      Ihre Würstchen liegen in einer Ecke auf dem Boden. Egal, es ist PVC-Boden und ich wage es nicht rein zu gehen.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass es gefährlich gewesen wäre, sie in diesem Zustand einfach gleich nach der OP raus zu lassen. Womöglich wäre sie weg gerannt, hätte nicht richtig jagen können und hätte sich beim rennen und springen sicher weh getan. Bestimmt hätte sie sich irgendwo versteckt und ich hätte ihr kein Futter bringen können. Anscheinend haben sie ordentlich im Bauch rum schnippeln müssen, so fertig wie sie war...

      16Paws schrieb:

      Ich geniesse diesen Moment unsäglich und streichle sie überall wo ich kann... vielleicht ist das die einzige Gelegenheit sie anzufassen, die ich je haben werde? Ich bitte sie dabei ausführlich um Verzeihung und erkläre ihr, warum ich ihr das alles zugemutet habe...
      Ich denke nicht, dass es die letzte Gelegenheit war, aber das hast du schön geschrieben mit dem "um Verzeihung bitten" :love: .

      Dann warte ich geduldig auf die Fortsetzung ... :applaus
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      Gleichzeitig müssen die 4 Babies draussen ohne Mama klar kommen. Sie sind schätzungsweise ca 10 - 12 Wochen alt, da dürfte das kein Problem sein. Und obwohl ich weiss, dass viele Kätzchen in dem Alter von der Mutter getrennt werden, habe ich doch den Eindruck, dass es ihnen immer noch sehr gut tut, mit ihr zusammen zu sein.
      Mittlerweile bin ich auch so vernarrt, dass ich keins von ihnen mehr her geben kann. Anfangs hat mich die Vorstellung von 4 Katzen schon ganz schön beeindruckt, aber jetzt...
      Ein zierliches graues Tigerchen, ein schwarzes mit frecher weisser Nase und weissen Pfoten und ein ganz scharzes mit mittellangen Haaren! Die Entscheidung, eins davon her zu geben ist absolut unmöglich!
      Ausserdem bin ich noch immer die einzige Person, die in ihre Nähe darf. Eins weg zu geben, das dann in eine fremde Umgebung kommt, das muss der blanke Horror für die Kätzchen sein! Geht garnicht!
      Ausserdem spielen und kuscheln sie so schön miteinander. Das wäre absolut gemein, sie zu trennen!

      Ha! Und jetzt endlich die Chance, mich intensiv mit den Kätzchen zu beschäftigen, jetzt wo die Grosse eine Woche im Haus bleiben muss! Super!
      Also, als Sienna im Katzenzimmer untergebracht ist, werfe ich einen Blick auf die Katzenkamera: Alle 3 sind da!
      Ich öffne die Haustür... und alle sind wie der Blitz verschwunden.
      Ich gebe Futter in die Näpfe und warte, warte... die Kleinen bleiben verkrochen... Ich muss mich bis zur Haustür zurück ziehen, damit sie sich raus trauen!
      Anscheinend hat sie das Verschwinden der Mutter so verunsichert, dass das aufgebaute Vertrauen zu mir schwer gelitten hat. Natürlich konnten sie nicht ahnen, dass ich daran "schuld" war, aber allein die Tatsache, dass die Mutter weg ist, macht sie extrem vorsichtig.
      Ich denke auch, dass sie das plötzliche Verschwinden ihrer Mama verunsichert hat, du konntest ihnen ja nicht erzählen, was passiert ist und sie hätten es wohl auch kaum verstanden.

      Weißt du, was auch mal schön wäre? Du hast doch garantiert Fotos von den Süßen, stell sie doch bitte mal persönlich hier vor - ich bin sooo neugierig, wie die kleinen Kuschelmonster aussehen :applaus .
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