Das "Verwilderte Katzen Tagebuch"

      Das "Verwilderte Katzen Tagebuch"

      Hallo liebe Katzenfreunde!

      Im Frühjahr '13 war ich als Katzenneuling plötzlich mit verwilderten Katzen konfrontiert.
      Ich möchte hier gerne meine Erlebnisse und Erfahrungen aufschreiben, um vielleicht anderen in einer ähnlichen Situation Motivation und Unterstützung zu geben.
      Vieles ist sicherlich erfahrenen Katzenfreunden schon zur zweiten Natur und ganz selbstverständlich geworden, deshalb bitte ich um Nachsicht, falls ich hier "alte Hüte" neu ausgrabe oder meine Interpretation vielleicht unterschiedlich sein sollte.

      Falls dieser Beitrag in der falschen Rubrik sein sollte, wäre ich dankbar, ihn in die richtige Rubrik verschoben zu bekommen.


      Mein Abenteuer beginnt im April 2013...
      Nein, eigentlich schon früher, denn bis im Herbst davor hielt ich meine Igel-Futterbox für katzensicher, denn die Katze, die ich beim Klauen erwischte, konnte ich durch einfache Änderung der Box vom Igelfutter fern halten.
      Deshalb sah ich im April '13 den sauber ausgeleckten Igel-Napf als Aufforderung an, doch bitte mehr Futter zu hinterlassen, denn Igel lassen normalerweise noch kleine Kleckschen vom Nassfutter im Napf.
      Ja, und das Trockenfutter war auch ratzeputz weg. Ui, so viele Igel dieses Jahr! Toll!
      Also: Mehr Dosenfutter, mehr Trofu!
      Aber wieder war alles weg und sauber leer geleckt! Konnte doch eine Katze der Täter sein?
      Also: Neue Box, kleinerer Eingang... trotzdem alles leer geschleckt!
      Und egal wie schwierig ich den Eingang gestaltet habe... immer alles weg! Doch keine Katze? Ein Marder vielleicht???
      Schliesslich habe ich eine Überwachungs-Kamera mit Infrarot für Nachtsicht installiert (D-Link). Und siehe da, es war doch eine Katze! Und zwar eine, die ich noch nie gesehen hatte!
      "Blödes Vieh!" hab ich geschimpft und nochmal meine Abwehrbemühungen verstärkt. Nichts zu machen... diese Katze *musste* unbedingt in die Box.
      Gesehen habe ich sie allerdings nie live, sondern immer nur auf der Kamera. Bis ich die Haustür geöffnet hab, war sie schon lange über alle Berge!
      Bis ich an diesem magischen Samstag im Mai nach draussen ging, die Katze hoch schreckte und unter ihr 3 Katzenbabies, die jäh ihrer Milchquelle beraubt waren...
      Ich bin auch gespannt auf die Fortsetzung, wie geht´s weiter???? :? :wink
      unvergessen:meine :stern Kaspar, Ballerina,Mike, Zalima, Mäxi, Khalil, Mori, Philipp, Kater Carlo und Tipsi
      Wenn Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken ( Schopenhauer)
      ____________________________________________________________________________________________

      Wie sich Perser in mein Herz geschlichen haben
      Hier ist noch eine ganz Neugierige :applaus .
      Wäre das Thema vielleicht eher etwas für die Rubrik "Tierschutz"?
      Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt:
      Durchs Leben zu gehen ohne Lärm zu machen

      Viele Grüße von Tapsy cat_scratch, Pauli cat_wag und Sir Winston :littlecat:
      Jetzt gehts endlich weiter :-)

      Für mich war natürlich sofort klar, dass ich mich um die 4 kümmere.
      Kopf sagt: Ich muss die Vermehrung stoppen!
      Bauch sagt: Aaaahhhwwww :-)

      Das Problem:

      Die Mutter ist mega-mega ängstlich! Sie macht nur einen kleinen Mucks und die Babies sind in dem Holzstapel verschwunden.
      Ich vermute, dass die Mutterkatze nie jemandem gehört hat und nie Kontakt mit Menschen hatte. Vielleicht war ihre Mutter auch schon verwildert?
      Jedenfalls bringt sie genau das gerade ihren Babies bei: Wenn du einen Menschen siehst, dann renn weg!
      Meine ersten Beobachtungen sind also über die Überwachungskamera oder mit plattgedrückter Nase an der Fensterscheibe, denn ausgerechnet in der Richtung, in der sich die Babies aufhalten, kann ich von keinem Fenster so richtig hinsehen.
      Wenn ich raus gehe, hält die Mutterkatze bis zu einer gewissen Entfernung (ca 10 m) die Stellung und faucht, und wenn man näher kommt, rennt sie weg.


      Sinnvolles Wissen aus einer anderen Welt:

      Ich habe eine Islandstute und bin Student von Parelli Natural Horsemanship. Das versetzt mich in die glückliche Lage, dass ich dadurch geübt bin in der Wahrnehmung von Körpersprache und gleichzeitig Übung im "Sprechen" habe, dh ich merke frühzeitig, auf welche meiner Bewegungen eine Reaktion kommt.
      Für mein Angst-Problem gibt es sogar Prinzipien, die bei Pferd und Katze gleichermassen benutzt werden kann.
      Es geht ja darum, dem Tier zu zeigen, dass etwas vermeintlich gefährliches eigentlich in Ordnung ist.
      Auch wenn es sich um instinktive oder konditionierte (erlernte) Angst handelt, gibt es prinzipien, die Ungefährlichkeit zu beweisen.

      Die Prinzipien:



      Verhalte dich nicht wie eine Bedrohung:

      Keine Spannung im Körper haben. Betont entspannt die Arme und Schultern hängen lassen. Im Stand das Gewicht hauptsächlich auf einem Bein haben,
      wie morgens noch müde an der Bushaltestelle. Entspannt atmen.
      Langsame, geschmeidige Bewegungen.
      Mit dem Körper und Schultern nicht frotal zu den Katzen. Auch den Kopf ein wenig weggedreht, kein frontaler Blick.
      Weiche Augen, halb geschlossen, so wie eine ruhende Katze.
      Ruhige, leise, weiche Stimme. "Sch, ch, ck" vermeiden oder bewusst weich sprechen.
      Schnurren habe ich beim entspannten, tiefen Ausatmen erzeugt.
      Kein Handy dabei haben, das plötzlich losgehen könnte.
      Keine Uhr dabei haben, vor allem nicht im Kopf ;-)
      Keine Erwartungen haben, einfach nur da sein.


      Wie macht man aus viel Angst Vertrauen?

      Das Geheimnis liegt bei Mensch und Tier gleichermassen im Abstand zur Gefahr.
      Je weiter weg die Gefahr ist, desto harmloser wird sie.
      Jetzt gilt es, den Abstand zu finden, in dem eine Änderung der Wahrnehmung stattfindet. Und jetzt kommt die aufmerksame Beobachtung der Körpersprache ins Spiel.
      Man bewegt sich mit beschriebener Körpersprache so lange langsam näher, bis die Katze sagt: "Jetzt bin ich mir nichtmehr sicher, ob das ok ist", dann zieht man sich wieder ein ganz kleines bisschen zurück, so dass man gerade an der Grenze von "ok" zu "Unsicherheit" ist. Nach einiger Zeit oder beim nächsten Mal sucht man diese Grenze wieder neu. Dabei wird man feststellen, dass sich die Grenze langsam verschiebt.
      Sehr wichtig ist es, dass man die Grenze nicht überschreitet und die Katze damit in die Flucht schlägt. Also sehr, sehr gut beobachten, ob sich ihr Blick verändert oder sich Körperspannung aufbaut.

      Jeder Fehler führt zum Rückschlag, zur Bestätigung der Angst und zum Verlust von Vertrauen.
      Sehr hilfreich ist es, wenn ein Ablauf immer möglichst gleich ist, dh, dass die Katze mit der Zeit weiss bzw darauf vertrauen kann, was als nächstes passiert.
      Also keine "Tricks" probieren und die Katze überrumpeln wollen, das führt zu Misstrauen.
      Man muss wirklich zuverlässig sein, um Vertrauen zu verdienen.


      Mein Druckmittel: *Futter*

      Wenn die Katzenbabies nicht gewesen wären, dann hätte es nur Futter in meiner Gegenwart gegeben, aber so stand in meiner Abwesenheit wenigstens Trofu da und ich hatte das Monopol auf Dosenfutter.
      Anfangs lief es so ab, dass ich raus gegangen bin, das Futter in die Schüssel gegeben habe und mich bis zur Haustüre zurückziehen musste, bis die Mutter raus kam und sich getraut hat zu fressen. (Immer gleicher Ablauf)
      Schon nach ein paar Tagen kam sie immer schneller raus, so dass ich auch langsam den Abstand verringern konnte, bis ich schliesslich neben dem Napf sitzen konnte und die Katzen trotzdem her kamen.

      Dabei habe ich mir immer so viel Zeit wie möglich genommen, um möglichst lange mit den Katzen zusammen zu sein.
      Minimum solange sie fressen, damit ich als Quelle des Futters wahrgenommen werde. Und auch möglichst lange danach, wenn sich die Katzen putzen, spielen oder hinlegen.
      Anfangs musste ich ganz still halten, wenn die Katzen raus kamen. Jede meiner Bewegungen fanden sie ganz arg furchtbar. Also habe ich gut geplant und mir ein Kissen mitgenommen, um mich möglichst bequem auf den Boden zu setzen und an eine Wand zu lehnen, damit ich möglichst lange ohne Bewegung durchhalte. Die erste Zeit war das schon anstrengend, aber die Geduld hat sich bezahlt gemacht.


      Einen neuen Stimulus hinzufügen:


      Um etwas Neues wie zB Bewegung vertraut zu machen, gelten die gleichen Prinzipien wie bei der Annäherung, nur dass wir mehr Variationsmöglichkeiten haben: Ausmass, Intensität, Rhythmus, Abstand.

      Erst nur einen Finger bewegen.
      Erst die Bewegung recht langsam machen
      Erst eine geringe Häufigkeit der Bewegung. Dabei rhythmisch sein, damit die nächste Bewegung vorhersehbar ist.
      Bei der Bewegung erst mehr Abstand zu den Katzen haben.
      Du machst es ganz schön spannend, wie ging es denn weiter? ;)
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      So, da sass ich nun nahezu regungslos neben einer super-ängstlichen Mutterkatze und den 3 niedlichsten Batzenbabies der Welt!

      Ich hätte mir sooo sehr gewünscht, dass ich die Katzenbabies auf den Schoss nehmen und streicheln kann! Ob ich sie wohl je streicheln kann?
      In meinem Bekanntenkreis hab ich nur Horror-Stories gehört über verwilderte Katzen, die einem die Krallen voran ins Gesicht springen, unvermittelt die Beine zerkratzen, in die Hand beissen oder im Haus eingeschlossen die Wohnung zerlegen.
      Ok, einfach mal sehen was ich erreichen kann, aber ganz unbedingt müssen alle kastriert werden.

      Also habe ich mir erstmal Informationen eingeholt.

      Wann muss die Mutter und wann die Kleinen kastriert werden?
      Welcher Tierarzt kann mit wilden Katzen umgehen?
      Und wie kriege ich die Katzen zum Tierarzt?
      Parallel natürlich die Fragen nach Fütterung und Haltung.
      Und wie kann die die verwilderten Katzen zähmen?

      Meine Quellen:

      Natürlich erstmal das Internet.
      Daraufhin habe ich geschätzt, dass sie Kleinen mindestens 4 Wochen alt sein müssen. Sie konnten schon sehr flink wegrennen, vielleicht waren sie auch schon etwas älter?
      Die Informationen, wann die Katze wieder trächtig werden kann, gingen auch sehr auseinander, zwischen 2 und 12 Wochen war alles dabei.
      Die Kleinen müssen auf jeden Fall genug selber fressen können, dass Mama einen Tag verschwinden kann.

      Das örtliche Tierheim bietet mir gleich ihre Katzenfalle zum Ausleihen an! Super!
      Ansonsten können sie leider meine Fragen nicht beantworten. Wilde Katzen werden kastriert und wieder ausgesetzt, aber nicht vermittelt, also konnte mir niemand etwas übers Zähmen erzählen. Nur sowas wie "Aussichtslos, brauch man garnicht erst versuchen."
      Ganz wichtig: Ich hab nach dem Tierarzt gefragt, der die Kastrationen bei den wilden Katzen macht!
      Ok, also bin ich zu diesem Tierarzt und hab dort in Erfahrung gebracht, wie die Aktion ablaufen kann.
      Wie läuft das mit dem Termin, weil ich nicht sicher vorhersagen kann, ob sie mir in die Falle geht.
      Was ist, wenn sie schon trächtig ist?
      Wie lange nach der OP kann sie wieder raus?

      Die Tierarzthelferin war sehr kompetent und konnte alle meine Fragen beantworten!
      Ich sollte einen Termin ausmachen und absagen, falls ich sie nicht gefangen bekomme.
      Da sie die Kastrations-Aktionen fürs Tierheim machen, sind sie routiniert mit verwilderten Katzen. Super!
      Anforderungen an die Katzenfalle haben sie nicht, da die Katze vor der Narkose von der Falle in einen ihrer speziellen Käfige transferiert wird.
      Wenn die OP glatt läuft, kann die Katze am nächsten Tag wieder raus.

      Und dann sass ich wieder zwischen meinen Katzen und überlegte weiter...

      Schliesslich habe ich mir eine eigene Falle gekauft, weil ja jederzeit eine Situation auftreten kann, zB wegen Verletzung, in der ich schnell eine Katze fangen und transportieren können muss.
      Ausserdem tauchten wegen dem stets gefüllten Futternapf neue Katzen auf, die ich ggf auch fangen und kastrieren lassen würde.

      Mir war nicht wohl dabei, die Katze gleich am Tag nach der Op rennen zu lassen, also räume ich ein kleines Zimmer frei bzw mache es nach meinem Verständnis Katzensicher. Räume alles weg, was runterfallen kann und verschliesse alle Löcher, in die man kriechen könnte. Dafür kommen reichlich grosse Kartons und Unterschlupfmöglichkeiten rein. Die Tapete kann sie runter reissen, wenn sie will, die ist eh alt.
      Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, dass die Mutter nach der Kastration ein oder vielleicht 2 Tage von den Kleinen getrennt sein sollte, weil auch wenn ich warten würde, bis sie keine Milch mehr brauchen, wusste ich doch nicht, wie sie reagieren, wenn Mama einen Tag lang nicht auftaucht. Würden sie anfangen, ihre Mutter zu suchen? Kämen sie trotzdem zum Fressen raus, auch wenn Mama nicht da ist? Weil zu diesem Zeitpunkt blieben sie brav versteckt, bis Mama sie raus gerufen hat.
      Also war die Idee geboren, ob ich nicht einfach alle zusammen so bald wie möglich fange und ins Katzenzimmer verfrachte. Dort könnten sie sich schonmal besser an mich gewöhnen und ich müsste sie nicht für Mamas Kastra trennen.
      Aber was ist mit dem Narkosemittel? Da ich wusste, dass sie keine Inhalationsnarkose bekommt, würde das Narkosemittel über die Nieren, sprich den Urin entgiften. Also würde es doch auch in der Milch landen! Aber wie lange dauert das? Die Milch wäre mindestens einen oder 2 Tage mit Narkosemittel kontaminiert! Und wenn die Milch 2 Tage nicht getrunken wird, dann bleibt das Gift mit der Milch ja so lange drin, bis es letztendlich getrunken wird! Oder? Also müsste ich mit der Kastra unbedingt so lange warten, bis die Kleinen auf keinen Fall mehr trinken! Aber in der Literatur stand, daß die Babies meist viel länger als die magischen 12 Wochen nach der Geburt ab und zu noch was an der Milchbar holen...
      Ohje... Also wäre es wirklich das Beste, ich verfrachte alle zusammen nach drinnen, wo die Mutter vor einen neuen Schwangerschaft geschützt ist und ich in Ruhe abwarten kann, bis die Kleinen wirklich nichtmehr trinken!

      Super Idee! Das ist der Plan!

      Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Falle noch nicht gekauft und machte fleissig "Fallen-Training" mit der Igelfutterbox (konventioneller Gitterkäfig mit Plastikwanne und klappbaren Gittern an der kurzen Seite, ca 60 cm lang), indem ich das Gitter an der kurzen Seite nach oben geklappt und drinnen den Futternapf rein stellte.
      Praktisch dabei war, dass die Babies durch das Loch in der Plastikwanne (der ursprüngliche Eingang für die Igel) bequem rein laufen konnten. Das klappte wirklich recht gut, nur dass nie alle 4 gleichzeitig drin waren...
      Hmm... Also wenigstens die Mutter musste drin sein, die Babies könnte ich schnappen und in eine bereitstehende Transportbox setzen, die ober eine Klappe hat.
      Dann hab ich gelesen, dass sich die Katzen schneller beruhigen, wenn man eine Decke drüber legt.
      Während der Vorbereitung hab ich dran gearbeitet, dass sie sich dran gewöhnen, dass ich das Gitter anfasse und bewege. Also zuerst das Gitter angefasst und bewegt, solange die Katzen noch draussen waren, bis sie es unverdächtig fanden und schliesslich konnte ich es bewegen, solange die Grosse drin war und sie hat trotzdem ungestört weiter gefressen (Prinzipien siehe oben).

      Und dann kam der Tag der falschen Entscheidung....

      Alles lief super, ich konnte das Gitter bewegen, eine Decke lag bereit, an die herumstehende Transportbox waren sie schon gewöhnt und die Grosse ging ohne zu zögern in den Futterkäfig, wenn ich Futter rein gestellt hab.
      Und dann kam die seltene Gelegenheit, dass die Mutter mit 2 der Babies gleichzeitig in dem Futterkäfig war und nur das zahmste Baby war draussen. Ha! Jetzt oder nie!!!
      Mit fliessenden, ruhigen Bewegungen klappe ich das Gitter zu, klinke den Drahtbügel ein und greife nach dem fehlenden Baby neben mir...

      Und dann bricht die Hölle los!!!

      Das Baby breisst mich tief in den kleinen Finger. Ich lasse es instinktiv los, schnappe es geistesgegenwärtig nochmal und setze es in die Transportbox, mache die Klappe zu, werfe die Decke über den Käfig... Die Katze schreit und tobt im Käfig, die Babies schreien, mein Finger blutet wie verrückt!
      Oh Gott! Das Igelloch ist doch offen!!! Fieberhaft grapsche ich das nächstbeste Brettchen, das da zum Glück liegt und halte es auf das Loch.
      Schnell, jetzt muss der Käfig ins Katzenzimmer getragen werden! Mit beiden Armen greife ich um den Käfig. Oh je ist der schwer! Die Katze tobt!!! Sie greift mit den Pfoten nach draussen und reisst an der Decke! Sie schreit! Die Babies schreien! Mein Herz schlägt bis zum Hals! Den Käfig wirft es in meinen Armen hin und her. Als ich an der Haustür bin, habe ich es nichtmehr unter Kontrolle, das Brettchen vor dem Igelloch verrutscht mir, die Katze schlägt die Pfote durch den Spalt, das Brettchen fällt, die Katze schiesst wie ein Pfeil durch das Loch nach draussen... und ein Baby hinterher... wenigstens eins habe ich noch drin... ich kippe den Käfig, damit das Loch höher als der restliche Käfig ist und laufe die Treppe hoch zum Katzenzimmer... oben im Flur springt das Baby durch das Loch... es geht so schnell, dass ich nicht sehe wohin es gerannt ist. Oh Mann, die Tür zu meinem "Regalraum", in dem allerlei Sachen gelagert werden ist offen! Wo ist es hin?

      Das Blut rauscht in meinen Ohren... verzweifelt und den Tränen nahe... nein, ich hab geheult... gebe ich auf... schniefend laufe ich nach unten, mache die Seitentür der Transportbox auf, das Baby rast raus.
      Ich hole erstmal etwas, um es auf meinen blutenden Finger zu drücken... Ich hatte ja noch Glück gehabt, dass mich die Katze bei ihrem Befreiungsversuch nicht mit den Krallen erwischt hat. Das hätte viel, viel schlimmer ausgehen können!
      Oben suche ich lange und mit schweren Gewissensbissen geplagt nach dem raus gesprungenen Baby. Es dauert ewig, bis ich es erwischen kann. Diesmal mit Lederhanschuhen an, aber es ist sogar zu verängstigt, um sich zu wehren.

      Ok, alle sind wieder draussen und in Freiheit.

      ...und am nächsten Tag waren alle 4 verschwunden...
      Also ich muss sagen, du machst es ganz schön spannend. Wäre es eventuell möglich, das - hoffentlich gute - Ende deiner Geschichte möglichst bald zu erzählen und nicht erst wieder in ein paar Monaten? Ich kann mir gut vorstellen, dass die Katze und ihre Babys vorerst nicht mehr bei dir aufgetaucht sind :( .
      Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt:
      Durchs Leben zu gehen ohne Lärm zu machen

      Viele Grüße von Tapsy cat_scratch, Pauli cat_wag und Sir Winston :littlecat:
      Ich habe mir jetzt den ganzen Beitrag durchgelesen, und möchte dir Tipps geben, wie man aus der Situation, die wirklich blöd gelaufen ist, noch das beste machen kann.

      Zuerst einmal: ich bin auch wie die Jungfrau zum Kind - nein zum Tierschutz gekommen.

      Heute stellt das einfangen von Katzen, wie du sie schilderst, meinen normale Alltag dar (ich lebe auf dem Land, rundherum nur Bauern...)

      Es kann durchaus sein, dass die Mutterkatze durch die Aktion jetzt so verschreckt ist, dass sie abwandert. Das wäre der worst case. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie auf das Futter bei dir angewiesen ist und bleibt bzw. wieder kommt.

      Bitte stell unbedingt Futter raus, vorerst ohne Falle/ Käfig.

      Wie ist denn das Umfeld beschaffen, gibt es Anrainer, die tierfreundlich sind und die man zum Verbleib der Tiere befragen kann?

      Wenn die Katzen wieder auftauchen - wofür ich ganz fest die Daumen halte - empfehle ich folgende Vorgangsweise:

      Zuerst ohne Falle Futter hinstellen. Wird das regelmäßig gefressen, stell die Falle (nicht diese Igelbox!!!!) in die Nähe, und dann das Futter immer näher zur Falle. Ich gehe davon aus, dass man die Falle blockieren kann (z.B mit einen Holzstab).

      Nächster Schritt: Futter in die Falle (die blockiert sein muss!!!) stellen, aber ganz am Anfang, sodass nur der Kopf drin ist. Dann jeden Tag das Futter weiter nach hinten. Erst wenn alle Tiere anstandslos in die Falle gehen, um zu fressen, beginnt die eigentliche Fangaktion.

      Ich rate UNBEDINGT davon ab, die Tiere, vor oder nach der Kastration in irgendeinen Raum zu sperren, weder die Mutterkatze noch den Nachwuchs. Die gehen die Wände hoch, und können sich ernsthaft verletzen.

      Bediene die Falle per Fernauslöser, und fang zuerst die Mutterkatze, Decke über die Falle, und zum Tierarzt mit ihr. 24 Stunden nach der Kastration darf sie raus, inzwischen wäre es gut, den Nachwuchs eingefangen zu haben, Jungtiere gehen oft zu zweit oder auch alle gleichzeitig in die Falle, da heißt es Nerven bewahren und den richtigen Moment abwarten.

      Hast du den Tierarzt gefragt, ob er Frühkastrationen vornimmt? Hoffentlich macht er das, leider machen es viele TÄ nicht, weil sie damit keine Erfahrung haben, und reden sich darauf aus, dass die Frühkastration umstritten ist (weil halt jeder ungerne zugibt, dass er etwas nicht kann). Möglich ist die Kastration ab der 6. Woche. Jungtiere stecken so eine OP viel leichter weg, als ältere Tiere.

      Frag nach selbstauflösenden Fäden! Das ist wichtig, sonst müssten alle noch einmal narkotisiert werden zum Fäden entfernen.

      Bezüglich der Milch brauchst du dir keine Gedanken zu machen, in der kurzen Zeit tritt weder ein Milchstau auf, noch versiegt die Milch, die Jungtiere trinken normal weiter, das tun viele bis der nächste Wurf kommt (den es natürlich in dem Fall ja nicht mehr gibt).

      Jetzt bleibt mir nur noch, die Daumen zu halten, dafür dass die Rasselbande schnell wieder auftaucht und dann gefangen werden kann..

      :dadr:

      Wichtig ist auch der Umstand, dass auch trächtige Katzen problemlos kastriert werden können. Denn manche werden ein paar Tage nach der Geburt schon wieder rollig.

      Gibt es dort auch einen potenten Kater? Falls ja, unbedingt auch den einfangen und kastrieren lassen.
      Liebe Grüße aus Niederösterreich von Gerlinde
      Hallo Gerlinde!

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar!

      Das ganze ist jetzt ein Jahr her, und hätte ich zu dem Zeitpunkt das alles gewusst, wäre mir und den Katzen viel erspart geblieben!
      Ich hatte versucht, im Internet Informationen über verwilderte Katzen zu sammeln, aber da habe ich nur wenig gefunden.
      Und dann gibts ja noch das Problem, dass man zu jedem Thema eine breite Palette an Meinungen finden kann, manchmal auch sehr gegensätzliche.
      Und man kann nicht ahnen, was davon tatsächlich Wissen ist und was einfach nur selbstgestrickte Überzeugung ohne Grundlage.
      Jetzt sehe ich natürlich gleich, dass du Ahnung hast! Aber vor einem Jahr...
      Deshalb habe ich mich entschlossen, keine blossen Ratschläge, sondern meine Erlebnisse aufzuschreiben, weil ich hoffe, dass ich so am meisten weiter geben kann und jemand in der gleichen Situation leichter daraus schöpfen kann.

      Liebe Grüsse

      Babs und 16 Paws
      :schaem ich habe überlesen, dass das vor über einem Jahr passiert ist. :schaem

      Nein, dann kommen sie nicht mehr zurück. :(

      Du hast recht, man liest so viel unsinniges im Internet, ich hatte das ganz große Glück, als ich vor einem ähnlichen Problem gestanden bin, an eine echte Fachfrau zu gelangen, die seit Jahrzehnten Streuner einfängt, die habe ich am Anfang wegen jeder Kleinigkeit angerufen und total genervt, aber es hat sich ausgezahlt, heute weiß ich wirklich sehr viel über dieses Thema.

      Es bleibt zu hoffen, dass andere in so einer Situation auf diesen Bericht stoßen, und daraus lernen, sodass es dann doch Tieren zugute kommt.
      Liebe Grüße aus Niederösterreich von Gerlinde